Heidelberger Schloss

Wissenswerte historische Informationen für Ihren Besuch des Heidelberger Schlosses

Das Heidelberger Schloss ist das Wahrzeichen der Stadt und sollte bei einem Besuch ganz oben auf der Liste stehen.
Neben seiner romantischen Kulisse hat es vor allem für Geschichtsinteressierte viel zu bieten, ist doch seine Vergangenheit als ehemalige Residenz der pfälzische Kurfürsten eng verflochten mit der deutschen und europäischen Geschichte.


Um von der Altstadt zum Schloss zu kommen, gibt es zwei Möglichkeiten:

über einen idyllischen, aber steilen Fußweg oder – bequemer und schneller – mit der Bergbahn.

Das Schlossticket beinhaltet den Eintritt zum Schlosshof, Fasskeller sowie in das Deutsche Apotheken-Museum und auch der Fahrpreis für die Bergbahn ist darin enthalten.
Den Eingang zur Bergbahn finden Sie oberhalb des Kornmarktes, in unmittelbarer Nähe zum  Marktplatz.

Ruprechtsbau – Das älteste Gebäude

Ruprechtsbau Schloss Heidelberg

Durchquert man das Tor und betritt den Innenhof, liegt der Ruprechtsbau gleich zur Linken.

Benannt ist das Gebäude nach seinem Bauherren Kurfürst Ruprecht III, der im Jahr 1400 deutscher König wurde.

Der Bau diente ihm zu Repräsentationszwecken. Der eingeschossige Wohnpalas des Spätmittelalters wurde dann 1534 durch Ludwig V. um ein steinernes Obergeschoss erweitert.

Der Umbau lässt sich noch heute gut an einem Absatz in der Mauerung an der vorderen Kante, sowie der Jahreszahl 1534 im Inneren des Gebäudes erkennen.

Ruprecht III. wurde in der Heidelberger Heiliggeistkirche begraben.

Das Grabmal mit der Statue von Ruprecht und seiner Gattin Elisabeth ist erhalten geblieben und noch heute in der Heiliggeistkirche zu sehen.

Friedrichsbau – Ahnengalerie aus Stein

Friedrichsbau Schloss Heidelberg

Betritt man den Innenhof, so zieht der Friedrichsbau sofort den Blick auf sich.

Der Bau ist benannt nach Kurfürst Friedrich IV. (1574 – 1610), der übrigens auch Begründer der Stadt Mannheim war.

Friedrich IV. zeigt hier seine Ahnengalerie und demonstrierte damit allen Zeitgenossen seinen Machtanspruch.

Er sieht sich selbst in einer Linie mit den übrigen Herrschern der bedeutenden Dynastie der Wittelsbacher, die er durch Großvater, Vater und Onkel in derselben Reihe darstellen lässt.

Im Zwerchgiebel (oberste Figurenreihe) oben links, führt die Statue Karl des Großen die Reihe an.

Friedrich stellt so Karl den Großen als Ahnherr seiner Dynastie dar, was historisch allerdings nicht zutrifft.

In der unteren Reihe, rechts als letzte Skulptur, ist der Bauherr selbst, Friedrich IV., zu sehen.

Statue Kurfürst Friedrich - Schloss Heidelberg

Wer war Friedrich der IV.?
Einige wissenswerte Eckdaten.

Friedrich IV. lebte von 1574 – 1610.

Seine Regentschaft fällt damit in die Reformationszeit, in der durch die konfessionelle Trennung auch die politische Landschaft neu definiert wird.

1608 übernahm Friedrich die Führung der Union der Protestanten, wodurch sich der Konflikt zwischen katholischen und protestantischen Fürstentümern erheblich verstärkte.

Trotz seiner mangelhaften Ausbildung hatte Friedrich großes Interesse an Geisteswissenschaften und ließ an der Heidelberger Universität Lehrstühle für Geschichte und für Orientalistik einrichten.

Begründer der Stadt Mannheim

Er gilt als Begründer der Stadt Mannheim.

Um den Zuzug zu steigern und die Einwohnerzahl zu erhöhen, zeigte er sich großzügig und räumte den Bewohnern Sonderrechte ein wie z.B. die Befreiung vom Frondienst. Ausländer wurden für 20 Jahre von der Grundsteuer befreit.

Friedrichs Trunksucht

Friedrich war bekannt für seinen Hang zu ausufernden Saufgelagen.

Nicht zuletzt wegen seiner unmäßigen Trunksucht, starb er schon mit 36 Jahren.

Seine Tagebuchnotiz vom 9. Juni 1598 “Bin ich fol gewesen” wurde Vorlage für den Refrain eines berühmten Heidelberger Studentenliedes:

“Wütend wälzt sich einst im Bette Kurfürst Friedrich von der Pfalz;
Gegen alle Etikette brüllte er aus vollem Hals:
Wie kam gestern ich ins Nest?
Bin scheint’s wieder voll gewest!”

Ottheinrichsbau

Ottheinrichtsbau Schloss Heidelberg

Rechts neben dem Friedrichsbau: der Ottheinrichsbau, benannt nach Ottheinrich von der Pfalz, 1502 – 1559.

Der Bau ist damit älter als der Friedrichsbau und gilt als herausragendes Beispiel deutscher Renaissance-Architektur.

Die Fassade

Die 16 Standbilder sind allegorische Darstellungen und Gestalten aus dem Alten Testament und der Götterwelt.

Von letzteren hatte der Ottheinrichsbau noch im 18. Jahrhundert den Namen “Der heidnische Bau”.

In der unteren Reihe, links des Hauptportals, sind Josua und Simson, rechts des Hauptportals Herkules und David dargestellt.

Die Figuren des ersten Obergeschosses symbolisieren Stärke, Glaube, Liebe, Hoffnung und Gerechtigkeit, die Tugenden eines christlichen Herrschers.

Die Figurenreihe des zweiten Obergeschosses zeigt die antiken Götter Saturn, Mars, Venus, Merkur und Luna.

Auf dem Dach sind Sol und Jupiter zu sehen, die einst die heute nicht mehr vorhandenen Zwerchgiebel zierten.

Wer war Ottheinrich?
Einige wissenswerte Eckdaten.

Kurfürst Ottheinrich - Schloss Heidelberg

Nach dem Tod seines Onkels Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz im Jahr 1556 konnte Ottheinrich endlich die lang angestrebte Herrschaft als Kurfürst der Pfalz antreten.

Gesundheitlich war der fast 200 kg wiegende Ottheinrich zu diesem Zeitpunkt schon schwer angeschlagen.

Als Ottheinrich Kurfürst wurde, hatte er nur noch 3 Jahre zu leben.

Trotzdem wurde das pfälzische Kurfürstentum durch ihn entscheidend geprägt.

Unter seiner Herrschaft setzte er die lutherische Reformation durch, sodass sich die Kurpfalz zu einem der Zentren des lutherischen Protestantismus in Deutschland entwickelte.

Universitätsreform

Im Zuge der Reformation setzte Ottheinrich auch eine grundlegende Umstrukturierung der Universität Heidelberg durch.

Die Dozenten waren bisher katholische Priester, bezahlt von der katholischen Kirche.

Ottheinrich finanzierte die Universität ab sofort durch die Säkularisierung von Kirchengütern und machte die Dozenten damit von der katholischen Kirche unabhängig.

Nach Abschluss der Universitätsreform gab es an der Universität Heidelberg keine Fakultät für katholische Theologie mehr.

Er galt als Kunstfreund und Förderer der Wissenschaften.

Angehende Mediziner verpflichtete er zum Sezieren von Leichen.

Seine Bibliothek, die Bibliotheca Palatina, gilt als eine der bedeutendsten seiner Zeit.

Das große Fass

Das große Fass - Schloss Heidelberg

Das große Fass ist das vierte und letzte in einer Reihe von großen Fässern und wurde 1751 unter Kurfürst Karl Theodor vollendet.

Es hatte ein Fassungsvermögen von 221.726 Litern, wurde allerdings nur dreimal gefüllt, weil es nie dicht war.

Man entschied sich aber, das Fass als Attraktion für die Besucher des Schlosses zu erhalten.

Übrigens: Sowohl die Treppe als auch die Plattform auf dem Fass, stammen nicht aus der heutigen Zeit. Man vermutet, dass die Holzfläche früher als Tanzboden genutzt wurde.

Perkeo, der trinkfeste Hofnarr

Perkeo - Schloss Heidelberg

Dem Großen Fass gegenüber steht die Statue des Perkeo.

Der Legende nach hatte der Kurfürst Karl Philipp einen nur rund einen Meter großen, aber 100 kg schweren Zwerg aus Tirol mitgebracht und ihn wegen seiner lebenslustigen Art und seinem Wortwitz zum Hofnarren gemacht.

Auf die Frage, ob er das Große Fass allein austrinken könne, soll er, wie übrigens auf alles andere auch, auf italienisch geantwortet haben: „Perché no?“ (Warum nicht?).

So kam er zu dem Namen Perkeo.

 

Weitere Informationen

zum Schloss Heidelberg finden Sie unter www.schloss-heidelberg.de

 

Bildrechte

Die Bilder sind Eigentum der Staatlichen Schlösser und wurden mit freundlicher Genehmigung zur Bebilderung dieses Arikels verwendet.